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Fachinfo

Lust am Spiel mit dem Feuer?

Ob kindliches Zündeln, forensisches Phänomen der Brandstiftung oder pathologischer Tatbestand der Pyromanie – woher kommt die Lust des Menschen am Spiel mit dem Feuer? ProSicherheit sprach mit Prof. Dr. Wolf Dombrowsky, Leiter der Katastrophenforschungsstelle der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.


ProSicherheit: Woher kommt die Faszination, die Feuer auf den Menschen ausübt?

Dr. Wolf Dombrowsky: Feuer spiegelt die Ambivalenz der Elementarkräfte am besten wider. Es nährt und verzehrt zugleich. Ohne Feuer gäbe es keine Kultur, keine Industrie, keine Beschleunigung jenseits des Körperlichen. Feuer hat uns letztlich zur Kulturleistung befähigt, aber um den Preis, seine Kräfte beherrschen zu müssen. Wenn Feuer unserer Kontrolle entrinnt, gefährdet es uns. Aus diesem Doppelcharakter erwächst letztlich seine kulturphilosophische Faszination.


ProSicherheit: Woher kommt der Drang - besonders bei Kindern und Jugendlichen - mit feuergefährlichen Stoffen zu experimentieren?

Dr. Wolf Dombrowsky: Kinder sind vor allem neugierig und gute Nachahmer. Zudem lieben sie Überraschungen. Und was ist überraschender, als ein Streichholz anzuzünden? Plötzlich wird aus einem unbedeutenden kleinen Hölzchen eine lebendige Flamme. Und die Reaktionen verstärken die Überraschung - vor allem die interessante Mischung aus Erschrecken und Bewunderung, aus Angst und Lust, auch aus erwachsenem Tadel und heimlicher Bewunderung für die aufgeweckten Kleinen. Sehr schnell merken Kinder, dass Feuer etwas ganz Besonderes ist, mit dem sich spannende Reaktionen und Effekte erzielen lassen. Was gibt es Schöneres?


ProSicherheit: Wie ist Brandstiftung psychologisch zu erklären? Welche typischen Motive gibt es?

Dr. Wolf Dombrowsky: Wir müssen ganz strikt zwischen einem kriminologischen Tatbestand und kindlichem Zündeln unterscheiden. Letzteres ist Neugier- und Nachahmungsverhalten und bedarf der Enkulturation, also der Erziehung hin zum kompetenten Umgang mit der Elementarkraft Feuer. Die Lust am Feuer ist und bleibt aber jene Angstlust, die wir in jedem Alter mit Feuer verbinden. Zu abweichendem, gar pathologischem Verhalten wird diese Angstlust erst, wenn sie selbst zum Ziel wird, also wenn jemand um dieser Angstlust willen mit dem Feuer spielt, ohne sich noch um Selbst- und Feuerbeherrschung zu kümmern. Das allerdings ist etwas ganz anderes als Brandstiftung, das entspricht eher dem pathologischen Tatbestand der Pyromanie. Die meisten Brandstiftungen sind kriminelle Akte, die auf Schädigung, Rache, Betrug oder die Verdeckung anderer Straftaten abzielen.