Nachgefragt
Fachinfo
Brandrisiken in Wohnungen Wird die Gefahr unterschätzt?
Brände in privaten Haushalten fordern in Deutschland jedes Jahr rund 600 Todesopfer, etwa 66.000 Personen erleiden teils schwere Verletzungen. Vermögenswerte von mehreren Milliarden Euro werden zerstört. ProSicherheit sprach mit Martin Schneider, Brandoberinspektor der Feuerwehr Hamburg, über Brandrisiken in Wohnungen und das richtige Verhalten im Ernstfall.
ProSicherheit: Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Ursachen für Wohnungsbrände und wie kann man sie vermeiden?
Martin Schneider: Bei den Ursachen handelt es sich meistens um technische Defekte von Elektrogeräten, z. B. Fernseher, oder menschliches Fehlverhalten: Eine Kerze bleibt unbeaufsichtigt oder man vergisst, den Herd auszuschalten, während man Einkaufen geht. Erfahrungsgemäß werden die Gefahren leider erst dann ernst genommen, wenn es bereits zu einem Schadensereignis gekommen ist.
ProSicherheit: Was ist im Ernstfall zu tun?
Martin Schneider: Als Erstes sollte man Ruhe bewahren. Bei starker Verqualmung ist es absolut erforderlich, den betreffenden Raum kriechend zu verlassen. Die Brandgase sind hochgiftig, haben eine hohe Temperatur und schränken die Sicht stark ein. Geschlossene Zimmertüren können eine Ausbreitung der gefährlichen Rauchgase weitgehend eindämmen. Außerdem wird dem Feuer kein weiterer Sauerstoff zugeführt, denn Sauerstoff ist eine der Grundvorausetzungen für Feuer. Alle Personen, die sich in der Wohnung befinden, und die Nachbarn sind zu verständigen. Beim Absetzen des Notrufs über 112 ist es wichtig, die Fragen des zuständigen Disponenten genau zu beantworten. Auch detaillierte Zusatzinformationen, z. B. Besonderheiten über die Erreichbarkeit des Gebäudes, sind sinnvoll. Wenn es ohne Eigengefährdung möglich ist, kann man in der Entstehungsphase des Feuers einen Löschversuch unternehmen. Älteren und hilfebedürftigen Personen ist beim Verlassen des Hauses zu helfen, doch sollten sie nicht durch übertriebenen Aktionismus in Gefahr gebracht werden, wie z. B. durch das Herausführen in verqualmte Treppenräume. Soweit dies ohne Eigengefährdung möglich ist, begibt man sich selbst ebenfalls ins Freie und weist die anrückenden Kräfte ein.
ProSicherheit: Wie sehen optimale Vorsorgemaßnahmen in Sachen Brandschutz in Wohnungen bzw. Wohneinheiten aus?
Martin Schneider: Ein absolutes Muss ist der Rauchwarnmelder. In Hamburg besteht für Neubauten seit 2006 eine Rauchwarnmelderpflicht. Für Gebäude, die vor 2006 errichtet wurden, gilt eine Übergangsregelung zur Nachrüstung bis 2010. Des Weiteren ist es wichtig, sich eigenverantwortlich über eventuelle Brandgefahren Gedanken zu machen. Dazu gehört natürlich das Ausschalten nicht benötigter Elektrogeräte. Im Stand-by-Modus steht ein Gerät trotzdem unter Netzspannung und verbraucht Strom, die Gefahr eines Kurzschlusses ist nicht ausgeschlossen. Ein weiteres Thema ist der verantwortungsvolle Umgang mit brennenden Kerzen in geschlossenen Räumen. Bei Fragen und für Informationen hat jede örtliche Feuerwehr kompetente Ansprechpartner, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Hekatron Vertriebs GmbH
Brühlmatten 9
79295 Sulzburg
Tel. 07634 500-0
Fax 07634 6419
E-Mail info@hekatron.de



