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Zwischen Vorgabe und Umsetzung Welche Anforderungen stellt der Brandschutz heute?

Die Anforderungen an den technischen Brandschutz bei Unternehmen ändern sich ständig. Zum einen gilt es, neue und geänderte Vorschriften und Bestimmungen umzusetzen und einzuhalten. Aber auch technischer Fortschritt in der Prävention wie auch in der Brandbekämpfung eröffnet den Unternehmen neue Möglichkeiten. ProSicherheit sprach mit Bernhard Tschöpe, Leiter der Werksfeuerwehr bei der Bayer Schering Pharma AG in Berlin und Vorstands-vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft betrieblicher Brandschutz (AGBB) Berlin e.V., über aktuelle Anforderungen und ihre Umsetzungen im vorbeugenden Brandschutz.


ProSicherheit: Welche technischen Entwicklungen gibt es im Brandschutz, und welche Möglichkeiten eröffnen sich dadurch den Unternehmen?

Bernhard Tschöpe: Die heutige Brandmeldetechnik erlaubt bereits eine sehr sensible Raumüberwachung. Zudem haben sich die Möglichkeiten zur gezielten Einzelüberwachung beispielsweise von elektronischen Komponenten wie Schaltschränken oder Rechnereinheiten direkt in diesen Einheiten ebenfalls verbessert. Daneben erlauben neue Techniken und Systeme eine immer frühzeitigere Detektion. So kann ein Rauchansaugsystem, das mit seinen sehr sensiblen Meldern bereits feinste Rauchpartikel detektieren kann, als Frühwarneinheit verwendet werden. Mittlerweile sind auch die Löschmittel viel nutzer- und umweltfreundlicher als früher geworden und stellen die Betreiber nicht mehr vor toxische Probleme. Diese Löschmittel in Kombination mit den modernen Meldetechniken erlauben eine frühzeitigen Detektion und einen zuverlässigen Brandschutz.


ProSicherheit: Was ist wichtig beim Brandschutz bei der Bayer Schering AG am Standort Berlin, wo liegen die besonderen Herausforderungen?

Bernhard Tschöpe: Da bei der Bayer Schering AG wie bei anderen Unternehmen auch die Wertkonzentration und Wertschöpfung ständig steigt, sind umfassender Brandschutz und modernste Meldetechnik nötig. Hohe Priorität hat bei der BayerSchering AG auch der Personenschutz. Um jegliche Gefährdung von Personen auszuschließen, kommen moderne Brandmeldetechniken in Kombination mit umwelt- und anwenderfreundlichen Löschmitteln zum Einsatz, die keine toxische Gefährdung darstellen. Die besondere Herausforderung am Standort Berlin ist die Anwendung dieser Techniken im Rein- und Reinstraumbereich bei der Herstellung von pharmazeutischen Produkten. Hier muss ein ganzheitliches Brandschutzkonzept genau auf die Hygieneanforderungen in den Produktionsstätten abgestimmt sein.


ProSicherheit: Wohin geht die zukünftige Entwicklung im Brandschutz?

Bernhard Tschöpe: Im technischen Bereich geht der Trend dahin, die Brandmeldeanlagen immer mehr mit der Haustechnik, aber auch mit Geräten und Prozessen zu verknüpfen. Das bedeutet, dass moderne Systeme bei der Detektion einer Störgröße in der Lage sind, nicht nur die Leitstelle und die Mitarbeiter zu informieren, sondern beispielsweise auch in die Systemtechnik eingebunden sein sollten, in die Lüftungsanlagen, das Fluchwegleitsystem sowie in Maschinen und Fertigungsprozesse. Im baurechtlichen Bereich müssen sich die Vorgaben noch weiter an die Anforderungen der Industrie anpassen. Momentan definiert das Baurecht viele Bauvorhaben als Sonderbauten, die jeweils eigene Sicherheits- und Brandschutzkonzepte benötigen, was Bauvorhaben verteuert und verlangsamt. Aber auch durch die immer komplexer werdenden Sicherheitssysteme und Produktionsverfahren wird der Bedarf an Sachverständigen weiter steigen.