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Prof. Dr. Dietmar Harhoff "Deutschland muss wieder ein Land von Gründern werden"

Im Gespräch mit ProSicherheit erklärt der Innovationsforscher Prof. Dr. Dietmar Harhoff, Leiter des Instituts für Innovationsforschung, Technologiemanagement und Entrepreneurship (INNO-tec) an der Ludwig-Maximilians-Universität München, unter anderem, was Innovationen ausmacht und warum die Politik gefordert ist, sie zu begünstigen.


Vor allem in der Werbung wird der Begriff "Innovation" für alles mögliche Neue verwendet und bleibt dadurch letztlich nebulös. Was verstehen Sie als Wirtschaftswissenschaftler unter einer Innovation?

Neuheit als Kriterium reicht nicht aus, der Verwertungsaspekt muss hinzukommen. Innovationen liegen dann vor, wenn neue Konzepte, Ideen oder Erfindungen kommerziell eingesetzt werden. Das heißt aber nicht, dass sie auch kommerziell erfolgreich verlaufen müssen. Hier verwendet die wissenschaftliche Analyse den Begriff wertneutral, während die Tagespresse vor allem das als Innovation feiert, was mit Erfolg und hohen Gewinnen einhergeht. Doch nur wenige Innovationen machen den Innovator reich.


Welche Beispiele lassen sich hierfür nennen?

Es gibt eine ganze Reihe von herausragenden Leistungen, die den Innovatoren nicht annähernd den Ertrag gebracht haben, den die Gesellschaft insgesamt davon hat. Ich würde hierzu das Internet rechnen sowie verschiedene Innovationen aus der Medizintechnik und Pharmazeutik, wie etwa die Entdeckung der Röntgenstrahlen oder die Entwicklung von Antibiotika. Auch ingenieurtechnische Leistungen wie die Einführung von Kanalisationssystemen in den Städten des 18. Jahrhunderts sind ein Beispiel.


Politiker fordern immer wieder die Schaffung eines innovationsfreundlichen Klimas. Sind denn die Bedingungen, um Innovationen hervorzubringen, in Deutschland schlechter als in anderen Ländern?

Wir klagen auf hohem Niveau - immerhin erarbeiten sich deutsche Unternehmen ja mit innovativen Produkten Spitzenstellungen auf den Weltmärkten. Aber die eine oder andere Sorge gibt es schon. Die Expertenkommission Forschung und Innovation, der ich angehöre, hat hierzu einen Bericht erarbeitet und Anfang März 2009 auch der Bundeskanzlerin übergeben. Die großen Probleme liegen nach Ansicht der Kommission in einem nicht mehr zeitgemäßen Bildungssystem und in einem innovationsfeindlichen Steuersystem. In beiden Bereichen muss die Politik endlich aufwachen. Wenn wir nicht mehr junge Menschen qualifizieren, droht uns ein massiver Fachkräftemangel. Und wir müssen wieder stärker auf Unternehmertum setzen, die Gründungsraten sind bei uns sehr niedrig. Gerade in vielen Bereichen der Hochtechnologie setzen wir die wissenschaftlichen Ergebnisse aus Forschungslaboren und Hochschulen nicht schnell genug um. Deutschland muss endlich wieder ein Land von Gründern werden, so wie in der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts und in der Nachkriegszeit. Wir müssen also unser Wirtschaftssystem so gestalten, dass nicht nur etablierte Unternehmen, sondern auch neue Firmen eine gute Grundlage für Wachstum und Innovation finden. Innovationen werden nicht nur von Großunternehmen erzeugt, sondern kleine und mittlere Unternehmen wie auch Gründungen haben einen wichtigen Beitrag zu leisten.


Und was macht den innovativen Unternehmer aus?

Um es auf drei wesentliche Aspekte zu beschränken: Durchhaltevermögen, Flexibilität und eine Begeisterungsfähigkeit für ungewöhnliche Ideen.