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Fachinfo
Uwe Ahrendt "Die Menschen und ihre Arbeit sind der entscheidende Standortfaktor"
Deutsche Wertarbeit hat viele interessante Facetten. Eine davon ist der Feinuhrenbau in Glashütte/Sachsen. Uwe Ahrendt, der die Manufaktur Nomos Glashütte leitet, erklärt, was "made in Germany" für ihn bedeutet.
Die Uhren aus dem Hause Nomos Glashütte tragen die Bezeichnung "made in Germany". Wie wichtig ist Ihnen dieses Prädikat?
"Made in Germany" steht natürlich ganz klar als Synonym für Qualität und Verlässlichkeit, wie dies auf ganz viele Produkte aus Deutschland zutrifft. Daneben legen wir Wert auf die Herkunftsbezeichnung Glashütte, die Teil unseres Markennamens ist. Jeder Uhrenkenner weiß, dass das Städtchen Glashütte in Sachsen mit mehreren ansässigen Manufakturen das Zentrum des deutschen Qualitätsuhrenbaus schlechthin bildet. Wenn also auf dem Zifferblatt "Glashütte" steht, dann ist das so etwas wie "made in Germany" hoch zwei. Glashütte wird als Uhrmacherstandort von Weltrang geschätzt. Das ist so ähnlich wie bei den Schweizer Qualitätsuhren, die ja auch nicht aus allen Landesteilen kommen, sondern meistens aus dem Jura, einem etwas abseits gelegenen Gebiet.
Haben Sie eine Erklärung dafür, dass ausgerechnet die Grenzregion zwischen Sachsen und Böhmen das Zentrum für ein so anspruchsvolles Handwerk geworden ist?
Diese Frage hören wir in unserer Gegend des Öfteren. Antworten gibt es wohl mehrere, aber eine finde ich besonders zutreffend: Das Erzgebirge ist zum Zentrum der Uhrmacherei geworden, weil unsere Täler so abgelegen sind. Als Glashütte vor über 160 Jahren zum Zentrum des Feinuhrenbaus wurde, gab es anderswo bereits große Handelsströme, und neue Fabriken schossen aus dem Boden. Bei uns war das allerdings nicht der Fall, folglich waren Arbeit und Brot knapp. Wer nicht auswandern wollte, musste in der sich industrialisierenden Welt eine Nische finden. Und das war bei uns die Uhrmacherei. Aus heutiger Sicht würde man sagen: Die Menschen im Erzgebirge haben vor dem Hintergrund gegebener Standortfaktoren eine spezialisierte Technologiekompetenz entwickelt. Ich denke, so etwas gibt es häufiger in Deutschland: Ein Produkt steht für eine bestimmte Gegend, weil kaum anderswo so viele hochqualifizierte Experten bereitstehen, um dieses Produkt herzustellen. So gesehen ist "made in Germany" auch ein Label, das den Wirtschaftsstandort Deutschland als ein Land der Regionen ausweist.
Was schätzen Sie an diesem Wirtschaftsstandort mit seinen unterschiedlich ausgeprägten Regionen?
Wenn ich für den Standort unserer Manufaktur spreche, dann ist das ganz klar das Potenzial an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die wir hier vorfinden. Sie verkörpern ein Qualitätsbewusstsein, das über Generationen gewachsen ist. Die Menschen identifizieren sich mit den Produkten, die sie herstellen, und sind zu Recht stolz auf das, was sie können. Die Kompetenz der Mitarbeiter kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern sie ist auch das Ergebnis solider Ausbildung. Eines gilt für uns ganz sicher ebenso wie für viele andere Branchen in Deutschland: "Made in Germany" ist ein Qualitätssiegel, das in erster Linie ausdrückt, was die Menschen in der jeweiligen Region zu leisten imstande sind.
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