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Großbrände und Unternehmenssicherheit "Der Alltag kehrt zu schnell wieder ein"

Dr. jur. Klaus Bockslaff ist geschäftsführender Gesellschafter der Verismo GmbH, einer Beratungsgesellschaft auf dem Gebiet des ganzheitlichen Risikomanagements mit Sitz in der Schweiz. In ProSicherheit erläutert er, was Unternehmen aus den in der Presse oft groß dargestellten Bränden lernen könnten und wie sie tatsächlich auf diese Ereignisse reagieren.


ProSicherheit: Wie bewerten Sie die Berichterstattung von Tagespresse und Fachmedien zur Thematik der Großbrände und zu einzelnen Großbränden?

Dr. Bockslaff: Die Berichterstattung hierzu erscheint mir als zu punktuell. Im Regelfall stellt die Presse zwar das Brandereignis als solches groß heraus, geht aber nicht auf die dahinter stehende Problematik der Sicherheit in den Unternehmen ein.



ProSicherheit: Zumindest sind die Berichte ja oft sehr spektakulär. Trägt dies etwas zum Sicherheitsbewusstsein in Unternehmen bei?

Dr. Bockslaff: Nach größeren Schadenereignissen steigt erfahrungsgemäß kurzfristig das Sicherheitsbedürfnis. Auch in dem von einer Katastrophe betroffenen Unternehmen selbst wird zunächst meist der hektische Ruf nach Abhilfe laut. Oft ist allerdings der Alltag schon längst wieder eingekehrt, bevor ein entsprechendes Sicherheitskonzept mit allen hierfür notwendigen Investitionen verabschiedet werden kann. Dann stehen wieder die Optimierung der Prozesse sowie eine weitere Rationalisierung mit dem Ziel der Kostensenkung im Vordergrund. Eine kurzfristige Nutzenbetrachtung versperrt hier häufig den Blick auf die langfristigen Folgen.


ProSicherheit: Wie gehen Sie vor, um zunächst das nötige Sicherheitsbewusstsein zu schaffen?

Dr. Bockslaff: Wir arbeiten das eigenständige wirtschaftliche Interesse des Unternehmens an der Sicherheit heraus und ermitteln, wo das eigentliche Sicherheitsbedürfnis des von uns beratenen Betriebs liegt. Mit dem Abschluss der verschiedenen denkbaren Versicherungen etwa ist das bestehende Risiko ja keinesfalls vollständig abgesichert. Der gesamtkalkulatorische Schaden umfasst mehr als nur Schäden an Gebäude und Inventar oder eine Betriebsunterbrechung. Kunden des von einem Schadenfall betroffenen Unternehmens, die ihrerseits in Lieferschwierigkeiten geraten, werden sich beispielsweise nach einem anderen Zulieferer der benötigten Komponenten umsehen, der höheren Sicherheitsstandards genügt. Dies sind Faktoren, die ein Risikomanagementsystem berücksichtigen muss und die auch von der Presse stärker ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden sollten.