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"Anlagentechnischem Brandschutz gehört die Zukunft"
Brandschutz rechnet sich – dieses aktuelle und brisante Thema diskutierten Prof. Dr.-Ing. Wolfram Klingsch, Dr.-Ing. Mingyi Wang, Hans Jochen Blätte und Heinrich Herbster zehn Jahre nach dem verheerenden Brand am Düsseldorfer Flughafen. Am 2. Juni 2006 trafen sich die Experten aus Wissenschaft, Verbänden und Wirtschaft am historischen Ort beim ProSicherheit-Round-Table. Das hier auszugsweise wiedergegebene Gespräch ist in ProSicherheit 2/2006 sowie 3/2006 ausführlich dokumentiert.
ProSicherheit: Was hat die Katastrophe am Düsseldorfer Flughafen an der Einstellung zum Brandschutz geändert?
Prof. Dr. Wolfram Klingsch: Der Düsseldorfer Flughafenbrand hat die Brandschutzwelt nachhaltig verändert. Zum einen hat er die Öffentlichkeit sowie die Bauherren für das Thema Brandschutz sensibilisiert. Beide Gruppen betrachteten den Brandschutz bis dahin als lästige Notwendigkeit und stehen dem Thema nun problemorientierter und aufgeschlossener gegenüber. Zum anderen hat der Gesetzgeber nach dem Brandschaden die bauordnungsrechtlichen Regelungen überarbeitet. Außerdem haben sich die baulichen und anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen enorm weiterentwickelt. Und auch in der Qualitätssicherung des Brandschutzes, von der Planung bis zur Wartung, hat sich einiges getan.
ProSicherheit: In den Landesbauordnungen bedeutet Brandschutz überwiegend bauliche Maßnahmen. Wie stehen sich heute baulicher und technischer Brandschutz gegenüber?
Hans Jochen Blätte: In den letzten Jahren hat der anlagentechnische gegenüber dem konventionellen Brandschutz sichtbar an Raum gewonnen, denn Anlagentechnik ermöglicht flexiblere Lösungen. Außerdem belegen Statistiken aus dem angelsächsischen Raum, dass technischer Brandschutz mehr Personen und Güter retten kann als bauliche Maßnahmen, bei denen mit einkalkuliert ist, dass immer Gebäudebereiche und das, was sich darin befindet, zerstört werden.
ProSicherheit: Der Staat zieht sich immer mehr aus dem Genehmigungsverfahren der Brandschutzplanung zurück. Mit welchen Folgen für Bauherren, Planer und Architekten?
Heinrich Herbster: Früher hatten Bauherr und Architekt den Brandschutzanforderungen genüge getan, sobald die Baugenehmigung erteilt war. Heute verlagert der Staat die Verantwortung mehr und mehr auf den Bauherrn. In Bayern beispielsweise ist dieser für die Brandsicherheit eines Gebäudes zuständig. Hier zeichnet sich jedoch ein Spannungsverhältnis zwischen Bauordnungsrecht und Zivilrecht ab. Denn nach der zivilrechtlichen Auffassung müssen Bauherren beim Brandschutz die Verkehrssicherungspflicht erfüllen, die weit über die bauordnungsrechtlichen Anforderungen hinausgeht, da sie sich am aktuellen Stand der Technik orientiert. Wenn also Dritte im Brandfall verletzt werden und der Verkehrssicherungspflicht nicht genügend nachgekommen wurde, können auf Bauherrn und Architekt erhebliche Schadenersatzforderungen zukommen. Je komplexer die Systeme, desto wichtiger wird außerdem eine Gesamtplanung. Oft fehlt ein Fachplaner, der die Übersicht über das Zusammenwirken der einzelnen Gewerke hat.
ProSicherheit: Wo geht die Zukunft im Brandschutz hin? Welche Lösungen bieten Sicherheit für Personen, Gebäude und Güter?
Dr. Mingyi Wang: Die Bedeutung der Anlagentechnik wird sicherlich zunehmen. Zum einen weisen Gebäude immer komplexere Strukturen auf, zum anderen erhöht sich die Brandgefahr durch eine intensivere Gebäudenutzung. Des Weiteren versammeln sich immer größere Werte und mehr Kommunikations- und Informationstechnik in den Gebäuden, die geschützt werden müssen. Vielfach kann die erforderliche Brandsicherheit ohne anlagentechnischen Brandschutz nicht gewährleistet werden. Die anlagentechnischen Maßnahmen müssen jedoch in ein ganzheitliches Brandschutzkonzept eingebettet sein und z. B. bauliche Maßnahmen ergänzen, um eine gegenseitige Beeinträchtigung zu vermeiden.
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