Thema
Fachinfo
Anlagentechnischer und baulicher Brandschutz Perfektes Zusammenspiel
Bisher hatte der bauliche Brandschutz in Deutschland traditionell ein Übergewicht gegenüber dem anlagentechnischen Brandschutz. Aber seit einigen Jahren befindet sich dieser auf dem Vormarsch. Nun liefert der Leitfaden "Ingenieurmethoden des Brandschutzes", herausgegeben von der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb), erstmals empirische Daten über die Zuverlässigkeit von Brandmeldeanlagen und stellt damit den anlagentechnischen Brandschutz dem baulichen gleich.
Aktuell sind erst rund 20 Prozent der Gebäude hierzulande mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet. "Dem anlagentechnischen Brandschutz haftet noch immer der Makel an, unzuverlässig und störungsanfällig zu sein", bringt Prof. Dr.-Ing. Dietmar Hosser, Leiter des Referats 4 "Ingenieurmethoden des Brandschutzes" der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb), das Dilemma auf den Punkt. Viele Planer greifen nur dann auf den anlagentechnischen Brandschutz zurück, wenn sich bei modernen Gebäudekonzepten bestimmte, von der Landesbauordnung geforderte bauliche Maßnahmen zur Schutzzielerreichung nicht umsetzen lassen. Dabei verkennen sie, dass die Anlagentechnik deutlich mehr ist als ein bloßes Mittel zur Kompensation. Brandmelde-, Lösch- sowie Rauch- und Wärmeabzugsanlagen erlauben innovative, zuverlässige und wirtschaftliche Brandschutzkonzepte, die Personen und Sachwerte bestmöglich schützen. "Wir müssen Planer und auch Baurechtsbehörden noch stärker darüber aufklären, was mit Anlagentechnik möglich ist und ihnen die Wirtschaftlichkeit der Lösungen aufzeigen", so Heinrich Herbster, Geschäftsbereichsleiter Marktentwicklung bei Hekatron. Und genau hier setzt der Leitfaden "Ingenieurmethoden des Brandschutzes" an.
Dieser hat das Ziel, die bisher sehr uneinheitlichen Vorgehensweisen und Annahmen bei der Anwendung ingenieurmäßiger Nachweise im Rahmen von Brandschutzkonzepten zu harmonisieren. Mithilfe des Leitfadens können Fachplaner ihre Konzepte zum ersten Mal anhand empirischer Daten und neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse überprüfen, anstatt sich lediglich an Vorschriften und Verordnungen zu orientieren. Bereits seine erste Auflage von 2006 bewirkte eine Vielzahl von Reaktionen im Markt. Seit Mai 2009 ist nun eine Neuauflage erhältlich, in die Anregungen von Experten und aktuelles Zahlenmaterial eingearbeitet wurden. "Man kann jetzt schon sagen, dass sich der Kenntnisstand über Ingenieurmethoden des Brandschutzes seit dem erstmaligen Erscheinen des Leitfadens verbessert hat", fasst Prof. Hosser die bisherige Entwicklung zusammen. Der Leitfaden verfolgt zwei konkrete Zielsetzungen: Zum einen versetzt er Fachplaner in die Lage, Gebäude besonderer Art und Nutzung (Sonderbauten) risikogerecht und wirtschaftlich auszulegen. Zum anderen hilft er der genehmigenden Behörde oder der Feuerwehr, die Auslegung des Planers mit möglichst geringem Aufwand zu überprüfen oder Brandschutzanforderungen für die Errichtung und Nutzung des Gebäudes so festzulegen, dass die bauordnungsrechtlichen Schutzziele des Brandschutzes zuverlässig erreicht werden. In erster Linie bezieht sich der Leitfaden auf Sonderbauten, da sich anlagentechnische Brandschutzmaßnahmen besonders für Gebäude eignen, die von Standardkonzepten abweichen.
Was das Erreichen der Schutzziele angeht, ist der anlagentechnische Brandschutz dem baulichen überlegen. Denn er beugt der Ausbreitung von Feuer und Rauch vor, ebenso schützt er die im Gebäude befindlichen Personen und ermöglicht wirksame Löscharbeiten. Die Anlagentechnik hält Brände klein und begrenzt damit die Brandwirkungen. Außerdem unterstützt sie die Selbstrettung von Personen im Brandfall wirkungsvoll. "In der Regel stehen für die Räumung eines Gebäudes ohne fremde Hilfe nach einem Brandausbruch weniger als zehn Minuten zur Verfügung", weiß Heinrich Herbster. Je früher also ein Brand entdeckt wird, desto mehr Zeit steht für die Selbstrettung zur Verfügung. Hier leistet eine Brandmeldeanlage wertvolle Dienste. Sie verständigt automatisch die Feuerwehr und verkürzt damit die Brandentwicklungsdauer, also die Zeit bis zum Beginn der Brandbekämpfung. Außerdem leitet sie über eine akustische Alarmierungsanlage die Evakuierung der Personen ein, die sich im Gebäude aufhalten. Wenn eine Brandmeldeanlage für frühzeitige Alarmierung sorgt, gewährt die Industriebaurichtlinie längere Rettungswege. Das wiederum erlaubt dem Architekten bei der Planung eines Gebäudes größeren Handlungsspielraum.
Darüber hinaus betreibt die Anlagentechnik aktiven Sachschutz. Sprinkleranlagen leiten selbsttätig Löscharbeiten ein und begrenzen einen Brand damit lokal. Rauch- und Wärmeabzugsanlagen tragen ebenfalls dazu bei, die in den Landesbauordnungen ausgerufenen Schutzziele zu erreichen. Sie halten die Fluchtwege rauchfrei und ermöglichen wirksame Löscharbeiten durch die Feuerwehr. Brandmeldehersteller wie Hekatron bieten also bestmöglichen Schutz, der sämtliche Aspekte einbezieht. "Die Anlagentechnik wirkt auf alle Schutzziele des Brandschutzes gleichermaßen ein. Das ist der Vorteil gegenüber dem baulichen Brandschutz", betont Prof. Hosser.
Das Argument von der mangelnden Zuverlässigkeit der Anlagentechnik können die Anhänger des baulichen Brandschutzes nicht mehr länger aufrechterhalten. In einer gemeinsamen Aktion haben die Hersteller von Brandmeldeanlagen im ZVEI-Fachverband Sicherheitssysteme 45.000 installierte BMAs auf ihre Versagenswahrscheinlichkeit hin untersucht. Dabei kam heraus, dass die Brandmeldeanlagen teilweise sogar ein höheres Schutzniveau erreichen als bauliche Maßnahmen. Ihre Ausfallwahrscheinlichkeit im Anforderungsfall beträgt gerade einmal zwei Prozent. Und durch verschiedene Maßnahmen wie die durchgängig redundante Systemarchitektur der Brandmelderzentrale, die ausfallsichere, bidirektionale Vernetzung über eine Ringleitung, die regelmäßige Wartung durch zertifizierte Fachfirmen und die rechtzeitige Modernisierung lässt sich die Zuverlässigkeit sogar auf 99,91 Prozent steigern.
Hekatron Vertriebs GmbH
Brühlmatten 9
79295 Sulzburg
Tel. 07634 500-0
Fax 07634 6419
E-Mail info@hekatron.de



